Der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) hat kürzlich seine Trendumfrage 2026 veröffentlicht.
Frage: „Wie gut ist Ihr Haus auf die digitale Transformation vorbereitet?“
Ergebnis: „56% der Verlage fühlen sich gut auf die digitale Transformation vorbereitet.“
Dann kann sie ja kommen, die Transformation. Man hört ja schon länger davon.
Eine andere Frage war, welche Digital-Angebote in den nächsten fünf Jahren den Umsatzrückgang der Printausgaben ausgleichen werden. Die Frage ist hypothetisch formuliert („Angenommen, Ihre Strategie ist bis 2030 erfolgreich: …“).
Ergebnis: Das entscheidende (und erhebliche) Umsatzwachstum im Digitalgeschäft, das die Printrückgänge ausgleichen soll, versprechen sich die Verlage vom ePaper. Also von der Produktform, die Print digital nachahmt und damit am wenigsten Veränderung bedeutet. Begründet wird das u.a. damit, dass „Produktlogik aus Print“ erhalten bleibt. Zitat: „Print Softlanding als Fundament der Zukunftsstrategie“. M.a.W.: Die Transformation kann kommen, aber bitte so wenig wie möglich.
Natürlich kann es sein, dass die Zeitungsverlage mit dieser Erwartung den Gewohnheiten und der Veränderungsbereitschaft ihrer Bestandskunden Rechnung tragen. Dann stellt sich aber die etwas morbide Frage, ob die Altersstruktur dieser Kundschaft bei der Fünfjahres-Vorschau realistisch berücksichtigt wurde.
Insgesamt geht es bzgl. Zukunftssicherung hauptsächlich um Kosten und Effizienz, jedenfalls da, wo es einigermaßen konkret wird. Also um die Defensive. Innovation wird pauschal gewünscht, bleibt aber vage. Die radikal veränderten (Des-)Informationskonsumgewohnheiten jüngerer Generationen werden mit keinem Wort erwähnt.
Nun sprechen wir hier über (Tages-)Zeitungen, nicht um Fachinformationen. Das ist doch gar nicht mein Beritt, was soll das Geläster.
Tatsächlich sind die Fachverlage nach meiner Wahrnehmung schon weiter, innovativer, transformierter – und ihre Kunden auch. Das war ein langer Weg und es gilt auch nur für „die Fachverlage“ im Durchschnitt. Vereinzelt begegnet uns auch hier noch heute die alte Abwehrhaltung gegen jede Veränderung.
Die großen Herausforderungen sind bei Fachinformationen und Tageszeitungen gar nicht so unterschiedlich. Selbst für die problematische Frühzustellung lassen sich Analogien finden. Angesichts dessen würde ich mir in unseren Fachverlagsprojekten immer noch viel mehr Mut zur Innovation wünschen, und zwar bei der Produkt- und Angebotsgestaltung, kunden- und nutzerorientiert. Technologie ist Mittel zum Zweck, kein Allheilmittel.
Ihr Carsten Oberscheid

Pressemitteilung: https://www.bdzv.de/service/presse/pressemitteilungen/2026/trendumfrage-2026-die-digitalisierung-geht-in-die-kritische-phase
