KAKBKZ sind die wichtigsten Motive für Menschen, generative KI zu nutzen. Für Fachverlage ist das von entscheidender Bedeutung.
Im persönlichen Gebrauch wird KI verwendet, um Dinge zu tun, von denen man selbst keine Ahnung hat, auf die man keinen Bock hat oder für die man keine Zeit hat. Dass man sich von KI Inspiriation geben lässt für eine substantielle intellektuelle Eigenleistung mag vorkommen, aber ich wage die These, dass man dieses Szenario in der Gesamtbetrachtung getrost vernachlässigen kenn.
Keine Ahnung, Keinen Bock, Keine Zeit – keines dieser Motive ist dazu angetan, Qualität zu erzeugen.
Wenn ich keine Ahnung habe, kann ich nicht beurteilen, ob der KI-Output gut und richtig ist. Siehe den Onkel, der bei der Familienfeier die vom Chatbot komponierte Geburtstagshymne vom Handy abspielen lässt. Der Onkel ist stolz, die Gäste mit Musikverstand winden sich.
Wenn ich keinen Bock habe, Aufwand in etwas zu investieren, schließt das den Aufwand zur Qualitätssicherung ein. Klingt überzeugend; muss reichen. So genau guckt da eh keiner hin.
Allenfalls bei “keine Zeit” besteht Hoffnung, dass man die beim Kreieren gesparte Zeit ins Prüfen und Korrigieren investiert. Allzu optimistisch sollte man da aber auch nicht sein.
Was bedeutet das für Fachverlage?
Die Frage, welcher Prozentsatz der AnwenderInnen wegen KAKBKZ die Nutzung sperriger Fachpublikationen ganz einstellen und sich blind auf KI-Output verlassen wird, ist von strategischer Bedeutung.
Nun gibt es im professionellen Kontext noch andere Faktoren als im privaten. Als Zyniker mag man die Chance, dass Berufsethos und persönlichen Ehrgeiz im großen Stil gegen Faulheit und Überlastung anstinken können, mit Skepsis sehen. In Berufen, die von Kopf- und Dokumentarbeit geprägt sind, können diese Motive aber schon aus Überlebensinstinkt stark genug sein, sich auch weiterhin mit verlässlichen Quellen zu beschäftigen.
Der beste Freund der Fachpublikation wird aber künftig noch viel mehr als bisher das Haftungsrisiko sein. Wer für die Folgen seiner beruflichen Entscheidungen und Handlungen persönlich in Anspruch genommen werden kann, darf sich auf stochastische Erzeugnisse alleine nicht verlassen. Selber schauen und prüfen ist unerlässlich – mindestens aber, die Quellen im Zugriff zu haben, dass man schauen und prüfen könnte. Wenn es die Zeit erlaubt. Und der Bock.
Wer Business Development undoder Produktentwicklung im Fachverlag betreibt, muss sich mit solchen Fragen auseinandersetzen, muss seine Kunden resp. Nutzenden realistisch einschätzen und seine Produkte auf die tatsächlich relevanten Nutzungskontexte ausrichten. Partner, die nicht stumpf den Hype nachbeten, helfen dabei. Und zwar gerne 😊
Ihr Carsten Oberscheid

